Cambodia

Cambodia, im Herzen Indochinas, grenzt im Westen an Thailand, im Norden an Thailand und Laos und im Osten an Vietnam. 
Seit 5 Jahren ist es moeglich – und Vorsicht ist geboten – das Land zu bereisen. Cambodia blickt auf eine sehr, sehr dunkle Vergangenheit der letzten 30 Jahre zurueck. 
Mehr als 2 Millionen Menschen , damals die Haelfte der Bevoelkerung, wurde zwischen 1977 und 1979 getoetet. 
Im Buergerkrieg wurde die eine Seite von den USA und Briten und die andere von den Russen, China und Vietnam mit Waffen versorgt. Irgendwann fing man an 12 Millionen Landminen zu vergraben, von denen heute noch schaetzungsweise die Haelfte im Land verteilt sind. Schilder entlang den Strassen weisen immer wieder darauf hin. Rechnerisch gibt es in Cambodia auf der Flaeche von 5 Fussballfeldern eine Landmine. Jeden Tag stirbt ein Mensch – Farmer beim Versuch das Land zu bewirtschaften oder Kinder beim Spielen.

Von den heutigen fast 12 Millionen Einwohnern sind 2 Millionen vietnamesische Fluechtlinge, 2 Millionen Krueppel und dem Rest geht es nicht viel besser. 
Furcht und Angst steht den Menschen ins Gesicht geschrieben, doch durch die Grenzoeffnung waechst auch die Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

Schon gleich nach dem Grenzuebergang in Poipet wird einem klar, was zu erwarten ist. Bettelnde Kinder, Alte und Kranke, Dreck und Taschendiebe – es geht ums reine Ueberleben der leidenden Bevoelkerung. 
Man traegt seinen Rucksack vor der Brust und haelt mit den Haenden die Taschen zu. 
Man stellt sich die Frage: "Warum tue ich mir so etwas an?" Von dubiosen Gestalten wird man wie Schmuggelware ueber die Grenze gebracht. Als wir in den Bus einsteigen wollen, darf die Haelfte der Touris das Ticket nochmals bezahlen, da sie geneppt worden sind.

Los geht's – wir sitzen auf, unter und neben unserem Gepaeck. Fuer 152 km von Plopet nach Siem Reap benoetigen wir 7 Stunden. 
Die Nationalstrasse Nr. 6 teilen wir mit Fussgaengern, Fahrradfahrern, Holzkarren, Mopeds und Ochsenkarren, die in einer Staubwolke stehen, sobald wir vorbei sind. Man traut sich kaum zu atmen, der Staub ist ueberall. Der Strassenzustand ist unbeschreiblich, Loecher 30 – 40 cm tief, Bruecken, die man lieber nicht genauer ansieht. Als wir nach der ersten Rast unser Wasser bezahlen wollen, wurde uns erklaert, dass man mit allem bezahlen kann, US$, Euro oder Bath, nur nicht mit der eigenen Waehrung, dem Riel. Soviel Vertrauen hat man ins eigene Geld und Land.

Nicht weit von Siem Reap entfernt befindet sich die Anlage von Angkor mit mehr als 100 Tempeln. Diese wurden in 600 Jahren, zwischen dem 8. und dem 14. Jahrhundert errichtet. Die Baukunst ist sensationell, sowie ein Beweis, dass Genialitaet und Groessenwahn dicht beieinander liegen. Angkor Wat zaehlt mit den Pyramiden oder Machu Picchu in Peru zu den beeindruckensten Bauwerken der Welt.

Man kauft sich einen 3-Tagespass, natuerlich in US $, sucht sich die wichtigsten und schoensten Tempel aus, organisiert sich ein Moped mit Fahrer, der auch als Guide fungiert und bildet sich kulturell weiter.

Bateay Srei, ein Hindutempel, war 1924 ein Steinhaufen. Er wurde wieder aufgebaut und bietet das feinste Steincarving, vieles dreidimensional, das auf unserem Planeten zu finden ist.

The Bayon, mit seinen 54 Tuermen und 214 lachenden Gesichtern ist gewaltig. Ein Dutzend oder mehr Gesichter starren einem immer an. Vielleicht beobachten sie auch nur den alten Monk beim Reinigen der Tempelanlage.

Angkor Wat selbst ist einfach einzigartig. Ob von einem Ballon in 200 Meter Hoehe, beim Sonnenaufgang oder waehrend des Tages. Der Tempel und das Mausoleum fuer Koenig Suryavarman II. ist eine architektonische und bauliche Meisterleistung. 
1300 X 1500 Meter Grundflaeche, 3 Ebenen, 65 Meter hoch und unzaehlige Carvings, die Geschichten erzaehlen.

Mein Bedarf an Tempeln war nach 3 Tagen gedeckt. Noch zwei, drei mehr und ich waere dem Buddhismus beigetreten.

Es gibt noch viel zu sehen um Siam Reap. Die lokalen Maerkte, bei denen man ganz praktisch den 
Metzger neben der Tankstelle
findet, zu seinem Fisch eine Million Muecken gratis erhaelt – na dann "Guten Appetit".

Jetzt zur Trockenzeit muss man von Siem Reap ein Stueck fahren, um zum groessten See Asiens zu gelangen. Der Tonle'Sap dehnt sich von 2500 qkm in der Trockenzeit auf 13.000 qkm in der Regenzeit aus. Hier findet man ganze 
Doerfer auf Hausbooten
- meist Vietnamesen, die ihre Postadresse je nach Wasserstand veraendern. Dies selbstverstaendlich ohne Visa – ein paar Dollar an die empfaengliche Polizei und man ist mit Mann, Maus und Schwein geduldet.

Die Strecke von der Grenze nach Siem Reap war mir eine Lehre. Ich nehme das Schnellboot nach Phnom Penh. 360 km ueber den Tonle'Sap Lake und dann weiter auf dem Sap River in nur 5 ½ Stunden. Die Armen Fischer tun mir leid, sie fliegen fast aus ihren Booten, als wir vorbeidonnern.

In Phnom Penh, der Hauptstadt Cambodias, wird man zuerst von Taxifahrern oder Leuten, die dir ein Hotel anbieten vom Boot gezerrt. An jeder Ecke heisst es: "Mr., Mr. do you need a bike?" Nach einem Tag wirkt es schon nicht mehr so aufdringlich. Die Fahrpreise sind auch gleich ausgehandelt und es geht ueber holprige Strassen. Immer wieder kommen auf unserer Seite Fahrzeuge entgegen, doch es scheint sich niemand darueber aufzuregen.

Es geht zum Royal Palace mit seinen in der Sonne schimmernden Daechern, zur Silver Pagoda mit ueber 5000 Bodenfliesen in Silber. Dann zum Tuol Sleng Museum und den Killing Fields – Mahnmale der Gewalt und des Schreckens. Von 1975-1978 wurden in der ehemaligen Schule ueber 17.000 Menschen gefoltert und hingerichtet. Auf Schildern wird das Khmer Regime schlimmer als die Nazis hingestellt. Es war schockierend – Einzelheiten und Bilder erspare ich Euch.

Weiter geht es ueber das Mekong-Delta nach Saigon/Vietnam, ich bekomme Besuch.


Mein Fazit

Cambodia, deine ruhmreiche Zeit ist vorbei. Es ist schwierig fuer mich zu beurteilen, ob es im Land aufwaerts, seitwaerts oder weiter abwaerts geht . Fuer mich war es eine weitere Erfahrung

Jeden Abend war ich froh gesund im Bett zu liegen. Dankbar in einem Land wie Deutschland geboren worden zu sein und aufzuwachsen. Nicht in einem Land wie Cambodia:

Ein Land, in dem jedes 10. Kind stirbt, bevor es 5 Jahre alt wird.

Ein Land, in dem es so gut wie keine Schulbildung gibt. Man lieber die Kinder zum Betteln schickt.

Ein Land, in dem es 20 % Krueppel gibt.

Ein Land, mit 6 Millionen vergrabenen Landminen.

Ein Land, mit einer korrupten und unfaehigen Regierung (Unfaehigkeit gibt es nicht nur bei uns).

Ein Land, mit einer HIV- positiv- Rate von ueber 40 %.

Ein Land, mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung unter 54 Jahre.

Ein Land, in das wohl nicht so schnell Frieden einkehren wird.

Doch die Hoffnung stirbt zuletzt, und man kann den armen und netten Menschen nur wuenschen, 
dass sie nicht zu lange auf eine Besserung warten muessen.

10.03.2003 09:58:19

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